Das Wort „Empathie“ ist zumindest im öffentlichen Sprachgebrauch ein Kind des 21. Jahrhunderts. In Bezug auf Führungskräfte hätte man vor 30 Jahren vielleicht gesagt, dass jemand „ein gutes Händchen für Menschen“ hat – auf gut Österreichisch ein „G´spür“. Doch eines hat sich nicht geändert: Unabhängig vom verwendeten Begriff suchen Unternehmen weltweit Menschen mit dem gewissen Etwas und meinen damit Führungskräfte, die anderen vermitteln, dass sie mehr sind als nur ein austauschbares Rädchen im System – nämlich unverwechselbare, unvergleichliche, einzigartige Menschen.

Schon klar, nicht alle Führungskräfte treten mit dem Charisma eines Indiana Jones auf und nicht zu allen würden uns Attribute wie »furchtlos« oder »tollkühn« einfallen. Und das muss es auch nicht! Gute Leader müssen nach außen hin keine Helden mimen. Sie müssen vor allem glaubwürdig, authentisch und handlungsstark sein. Trotzdem erfordert gute Führung klarerweise auch Mut, etwa sich Konflikten unmittelbar – oder zumindest zeitgerecht – zu stellen. Tatsächlich aber ist konfliktscheues Verhalten (nicht zu verwechseln mit bedachtem, überlegten Vorgehen) ein weitverbreitetes Problem unter Führungskräften. Die Wahrheit ist aber: Ohne Konflikte geht es nicht!

Bei einem Blog mit dieser (bewusst provokant) formulierten Headline kann man sich eines gewiss sein: Niemand wird sich als „Titelfigur“ angesprochen fühlen und niemand wird sich durch Empörung outen, da man sich ja dann selbst ins Abseits stellt.
Und gleichzeitig ist das schon eine der wichtigsten Antworten auf die Frage in der Überschrift…

Im Zuge der Vorstellung unseres neuen Buches über Führungsinstinkt wurde meinem Mitautor Marco Seltenreich und mir immer wieder die Frage gestellt, an welche Zielgruppe sich das Buch denn eigentlich richtet. Dann liegt einem schnell die Antwort auf der Zunge, dass das Thema primär auf Manager, Vorstände – oder kurz: „die Wirtschaft“ – abzielt. Doch mit ein wenig…

Auf der Karriereleiter geht es nur nach oben. Und: It´s lonely at the top. Wir alle kennen die unzähligen Klischees, die mit einem Aufstieg in Unternehmen assoziiert werden. Dies ist mit ein Grund, warum wir sehr leicht etwas in Kauf nehmen, das gar nicht so optimal ist bzw. auch sehr leicht etwas glauben, was so gar nicht der Realität entspricht. Wie oft haben Sie von einem Vorgesetzten schon gehört, dass „meine Tür jederzeit für Sie offen steht“ – nur um dann das Gegenteil zu erleben, weil der Terminkalender laut seinem/ihrem Vorzimmer einen Termin „frühestens in drei Monaten“ zulässt.

Manchmal ist es schwer geworden, Begriffe oder Verhaltensmuster richtig einzuordnen. In einer Welt, die sensibler und auch zerrissener wird, geht zunehmend die „Goldene Mitte“ verloren bzw. werden Modelle und Merkmale lustvoll in Extreme umgedeutet. So gibt es beim Begriff der Empathie Tendenzen, dass diese wertvolle Eigenschaft ins Lächerliche oder Hypersensible gezogen wird. Und davon sind auch Führungskräfte nicht ausgeschlossen, die ihr bestes versuchen, menschlich, verständnisvoll und bewusst auf Teammitglieder einzugehen. Nichts ist einfacher als deren Vorgehen und Verhalten abwertend als schwach oder Zeitverschwendung abzutun.

Ein Chef schafft…. an! Würden wohl viele instinktiv diesen Satz vervollständigen. Und obwohl dies – rein hierarchisch betrachtet – wohl stimmt, ist es nicht die Kernaussage über die Hauptaufgabe von zeitgemäßen Führungskräften.

Jeder von uns blickt auf Schlüsselerlebnisse zurück, bei denen uns eine andere Person begleitet, bereichert und befähigt hat, auf irgendeine Art und Weise besser zu werden und „weiterzukommen“. Über diese Menschen lassen wir nichts kommen, weil sie uns etwas Seltenes gegeben haben: Authentische Unterstützung, selbstlose Wertschätzung und aufrichtiges Wohlwollen.

Mit dem Lockdown in der Corona-Krise sind viele Frauen plötzlich wieder da gelandet, wo sie eigentlich nicht sein wollten. Sozusagen zurück am Herd, zurück im Haushalt. Da lag auf einmal der Schwerpunkt auf dem Home, und nicht mehr auf dem Job. Aber sind wirklich mit Corona die alten Rollenmuster wieder da? Oder kommt uns das nur so vor?

Während einige Branchen noch auf die Möglichkeit warten, ihre Geschäfte wieder aufzunehmen, geht durch andere so etwas wie eine Aufbruchstimmung. Die Regierung wird nicht müde, bei den Lockerungen an die Eigenverantwortung der Bevölkerung zu appellieren. Gleiches gilt wohl auch für Unternehmen. Denn es stellt sich die Frage, ob alles, was jetzt nicht mehr verboten ist, auch tatsächlich klug ist.