Jetzt mal ganz ehrlich, wollen diejenigen, die unser System erhalten und täglich an ihre Grenzen stoßen, das jetzt hören? ÄrztInnen und medizinisches Personal, die sich auf das Schlimmste vorbereiten, MitarbeiterInnen im Supermarkt, die von unmöglichen KundInnen angepöbelt werden oder auch PolizistInnen, die Gruppen uneinsichtiger PassantInnen auflösen müssen. Ist es da wirklich angemessen, über Chancen zu sprechen? Oder wäre es einfach nur angebracht, jeden Tag bestmöglich zu meistern?

Außergewöhnliche Situationen fordern uns. Sie bringen uns aus unserer Komfortzone. Sie zwingen uns, unsere gewohnten Wege zu verlassen. Genau solche Situationen erleben wir derzeit beinahe jeden Tag. Und so unterschiedlich wie die Menschen sind, so verschieden sind auch deren Herangehensweisen. Einige wenige verharren in Schockstarre, andere suchen aktiv nach neuen und kreativen Lösungen und die meisten versuchen, das Beste aus der Lage zu machen.

Mein letzter Blog zum Weltfrauentag ist zwar gerade mal eine Woche her, dennoch ist das Thema so aktuell, dass ich er gerne nochmals aufgreife – so wie zahlreiche Unternehmen auch. Denn jedes Jahr am Weltfrauentag brüsten sich Unternehmen gerne mit ihren Leistungen im Bereich der Gleichstellung. Tatsache ist aber, dass das oft nur Alibiaussagen sind, und die Realität anders aussieht. Es braucht jedenfalls keine vereinzelten Maßnahmen, und schon gar keine Lippenbekenntnisse, sondern strategische Herangehensweisen, die aufzeigen, dass Unternehmen es ernst meinen.

Wie jedes Jahr um diese Zeit stehen große Aktionstage für uns Frauen an. Und das ist im Jahr 2020 wahrlich kein Grund zur Freude. Heute, am 25. Februar „feiern“ wir etwa den Equal Pay Day – bis heute haben Frauen im Vergleich zu Ihren männlichen Kollegen nämlich gratis gearbeitet. Kein Scherz, auch wenn heute Faschingsdienstag ist. Und schon nächste Woche, am 8. März begehen wir den Weltfrauentag. Verstehen Sie mich nicht falsch. Auch wenn ich diese Aktionstage für sehr wichtig halte, ich wünsche mir, dass wir sie schon bald nicht mehr brauchen.