Viele Unternehmen beklagen einen massiven Fachkräftemangel. Dennoch fehlt den meisten Managern in Österreich der Weitblick, sich dieser Herausforderung durch Geschlechterausgewogenheit anzunehmen. Dabei sind junge Frauen in Österreich sogar oft besser ausgebildet als Männer und ebenso leistungsorientiert und motiviert. Kaum ein Unternehmen nähert sich dem Thema ganzheitlich und strategisch unter wirtschaftlichen Aspekten. Meist werden unkoordinierte Einzelmaßnahmen umgesetzt, bei denen es nur um Frauenförderung geht. Dieser Weg ist kontraproduktiv und führt eher in die Vergangenheit als in die Zukunft.

Im Wandel ist auch für Führungskräfte alles anders! Vieles läuft nicht mehr so, wie man es kennt, weil neues Wissen, neue Spielregel und auch natürlich neue Strukturen ins Spiel kommen. Und das Neue funktioniert auch noch nicht, weil es noch nicht verankert ist. Warum sollte also Führung weiterhin so laufen wie bisher? Mein Rat: Vertrauen Sie im Wandel wieder mehr Ihren Führungsinstinkten!

Ja, ich meine das ernst. Immer wieder höre ich Aussagen wie, „das ist bei uns eben so“, „so ist unsere Kultur“ oder auch, „daran kann man nichts ändern“. Ehrlich? Selbstverständlich kann man was verändern – auch Unternehmenskulturen. Zugegeben, das ist nicht immer ganz einfach, aber ganz sicher nie unmöglich. Doch um einen Kulturwandel umzusetzen, muss man zuerst wissen, was man sich von der neuen Kultur erwartet.

Seit einigen Monaten beginnt fast jedes Gespräch, wenn es um Gender Balance geht, mit der „Frauen“-Quote und dem Gegenwind, der damit verbunden ist.
Dabei fallen meist Aussagen wie „Wir würden gerne etwas für Frauen machen – sie müssen sichtbar werden“ oder „Frauen Empowerment ja, aber bitte keine Frauenquote. Das wollen unsere Frauen nicht und wir wollen ja auch die Männer nicht vergrämen“ Die „Frauenquote“ ist in aller Munde und scheint so beliebt zu sein wie der regelmäßige Gang zum Zahnarzt.

Dieses Sprichwort begegnet mir immer noch in meinem beruflichen Alltag. Und viele MitarbeiterInnen vertreten diese Sichtweise. Gerade neue Menschen, die in bestehende und teilweise veraltete Strukturen kommen, beklagen sich über das „Anecken“ bei Projekten.

Seit Jahren spielt das Thema „Employer Branding“ in unseren Projekten eine immer stärkere Rolle. Eine Erklärung dafür ist die Tatsache, dass viele Organisationen vor einem großen Generationenwechsel stehen. So konnte man in den Fachmedien lesen, dass die ÖBB damit konfrontiert ist, 6.000 neue MitarbeiterInnen finden zu müssen. Andere Organisationen stehen vor ähnlichen, scheinbar unlösbaren Aufgaben.

Woher man kommt, ist derzeit wieder eine heikle Sache in der öffentlichen Wahrnehmung. Die Frage der Herkunft ist spätestens nach der heiß diskutierten „Flüchtlingskrise“ Thema – sogar in nicht-politischen Bereichen des Lebens. In einem anderen Unterhaltungssektor – dem Profi-Fußball – spielt die Herkunft kaum eine Rolle: Außer hin und wieder ein paar übermotivierte Fans stört sich dort niemand an der Nationalität eines Spielers – solange dieser sich als Mannschaftsstütze bewährt. Im Millionenbusiness ist es sogar umgekehrt: Unmengen bzw. Unsummen werden ausgegeben, um argentinische oder brasilianische Spieler zu verpflichten. Davor wird verhandelt, gefeilscht und über diverse Benefits diskutiert, damit der Spieler von der anderen Seite der Erde nach Deutschland wechselt.

Das einzige, was sich in Teams beim Sport unterscheidet zu Teams in Unternehmen, sind das Geschlecht und körperliche Beeinträchtigungen. Hier gibt es im Sport separate Wettbewerbsklassen. Ansonsten gilt – anders als in Unternehmen: Wer Leistung bringt, ist in der Mannschaft.

Braucht die Welt wirklich ein Management-Buch zum Thema Gender Balance?

Lassen Sie es mich so ausdrücken: JA – und zwar ein Buch über den Wettbewerbsvorteil Gender Balance. Denn eine Botschaft ist noch nicht in aller Klarheit angekommen:

Wir brauchen im deutschsprachigen Raum MEHR VIEFALT und mehr TOLERANZ, damit Unternehmen am internationalen Bankett überleben können und wirtschaftlich erfolgreicher sind.

Sicherlich kennen Sie das Silvester-TV-Highlight „Dinner for One“ („Same procedure as every year!”). Die Wiederholung der immer gleichen Abläufe und Muster beobachte ich auch in der Wirtschaft und bei manchen meiner Kunden. Alles muss im laufenden Kalenderjahr fertig gestellt werden. Jeder muss sich noch vor Weihnachten treffen. Jeder steht mit Jahresabschlüssen und Budgets wahnsinnig unter Druck und versucht verzweifelt, alles unter einen Hut zu bringen – so als würde es kein Morgen bzw. kein nächstes Kalenderjahr geben.

Wer rudert, weiß: Es ist wichtig, dass alle ihre Kräfte im gleichen Rhythmus einsetzen, damit etwas weitergeht. So kommt man am schnellsten ins Ziel. Wehe aber, es fehlt ein Ruderer oder sogar zwei. Dann wird das Ergebnis vielleicht auch erreicht, aber dazu müssen sich alle bis zur Erschöpfung verausgaben. Gleiches trifft auf Gender Balance zu: Wenn alle im gleichen Takt zusammenarbeiten, ist Gender Balance ein Cashbringer für Unternehmen, der bereits unterwegs Freude macht.