Sind Sie schon dabei, über die Learnings aus COV nachzudenken? Oder sind Sie noch im unternehmerischen Lock-down und finden es gerade jetzt noch wichtig, Ihre MitarbeiterInnen zuhause zu lassen, aber trotzdem nach vorne zu schauen?

Vieles ist in den letzten Wochen passiert bzw. musste passieren. Die Digitalisierung hat zusätzlich Fahrt aufgenommen. Neue Produkte wurden entwickelt. Ganze Branchen haben sich neu erfunden oder sind aktuell dabei es zu tun.

Auch wir konnten das, was wir seit Monaten und Jahren predigen, mit unseren Kunden umsetzen.

Es geht wieder los! Alle wieder ran an die Schreibtische! Die Einkaufstempel werden vor den Schulen geöffnet. Krebskranke müssen sich daheim ohne Palliativpflege selbst Infusionen verpassen. Alleinerziehende verzweifeln an der Doppelbelastung. Ehepaare kriegen sich in die Haare. Aber zumindest kann man sich nun in die Shoppingmalls flüchten, um Abstand vom häuslichen Alltag zu gewinnen.

Jetzt mal ganz ehrlich, wollen diejenigen, die unser System erhalten und täglich an ihre Grenzen stoßen, das jetzt hören? ÄrztInnen und medizinisches Personal, die sich auf das Schlimmste vorbereiten, MitarbeiterInnen im Supermarkt, die von unmöglichen KundInnen angepöbelt werden oder auch PolizistInnen, die Gruppen uneinsichtiger PassantInnen auflösen müssen. Ist es da wirklich angemessen, über Chancen zu sprechen? Oder wäre es einfach nur angebracht, jeden Tag bestmöglich zu meistern?

Außergewöhnliche Situationen fordern uns. Sie bringen uns aus unserer Komfortzone. Sie zwingen uns, unsere gewohnten Wege zu verlassen. Genau solche Situationen erleben wir derzeit beinahe jeden Tag. Und so unterschiedlich wie die Menschen sind, so verschieden sind auch deren Herangehensweisen. Einige wenige verharren in Schockstarre, andere suchen aktiv nach neuen und kreativen Lösungen und die meisten versuchen, das Beste aus der Lage zu machen.

Mein letzter Blog zum Weltfrauentag ist zwar gerade mal eine Woche her, dennoch ist das Thema so aktuell, dass ich er gerne nochmals aufgreife – so wie zahlreiche Unternehmen auch. Denn jedes Jahr am Weltfrauentag brüsten sich Unternehmen gerne mit ihren Leistungen im Bereich der Gleichstellung. Tatsache ist aber, dass das oft nur Alibiaussagen sind, und die Realität anders aussieht. Es braucht jedenfalls keine vereinzelten Maßnahmen, und schon gar keine Lippenbekenntnisse, sondern strategische Herangehensweisen, die aufzeigen, dass Unternehmen es ernst meinen.

Wie jedes Jahr um diese Zeit stehen große Aktionstage für uns Frauen an. Und das ist im Jahr 2020 wahrlich kein Grund zur Freude. Heute, am 25. Februar „feiern“ wir etwa den Equal Pay Day – bis heute haben Frauen im Vergleich zu Ihren männlichen Kollegen nämlich gratis gearbeitet. Kein Scherz, auch wenn heute Faschingsdienstag ist. Und schon nächste Woche, am 8. März begehen wir den Weltfrauentag. Verstehen Sie mich nicht falsch. Auch wenn ich diese Aktionstage für sehr wichtig halte, ich wünsche mir, dass wir sie schon bald nicht mehr brauchen.

In meinem letzten Blog habe ich darüber geschrieben, wie wichtig und inspirierend Vorbilder für alle von uns sind. An Vorbildern können wir uns orientieren, uns messen und sie helfen uns, unsere Ziele zu erreichen. Besonders wichtig ist diese Vorbildfunktion in Bereichen, in denen Frauen traditionell unterrepräsentiert sind. Dort sehen sich Frauen auch den meisten Vorurteilen gegenüber und befürchten daher, aufgrund eines Stereotyps beurteilt zu werden bzw. durch ihr Verhalten das Stereotyp unabsichtlich zu bestätigen. Hand aufs Herz: Was denken Sie denn über Frauen und Technik?

Vorbilder inspirieren, motivieren und zeigen uns Möglichkeiten auf, die wir vorher nicht für realisierbar gehalten haben. Das ist besonders wichtig, wenn Frauen in typischen Männerberufen tätig sind. Sie glauben mehr an sich selbst, wenn sie eine Frau vor sich haben, die etwas erreicht hat, was sie auch erreichen könnten. Es ist viel leichter, sich in einer Position zu sehen, die jemand erreicht hat, der einem ähnelt.

Ein kurzes Gedankenexperiment für meine männlichen Leser: Würden Sie sich angesprochen fühlen, wenn in einem Text von „Leserinnen“, „Kundinnen“ oder „Mitarbeiterinnen“ geschrieben wird? Nein? „Warum auch?“, höre ich Sie sagen. Und was, wenn irgendwo im Impressum oder auf der Website stehen würde: „Zur leichteren Lesbarkeit sind personenbezogene Bezeichnungen nur in weiblicher Form angeführt. Sie beziehen sich auf Männer und Frauen in gleicher Weise.“ Würde das für Sie etwas ändern?

Wer auf See ein Ziel erreichen will, benötigt nicht nur eine Mannschaft, sondern auch eine Kultur, die alles bestmöglich auf Kurs hält. Manche in der Crew bringen in einer bestimmten Kultur Höchstleistungen, andere fühlen sich gebremst und verunsichert. Um in Unternehmen einen Wandel – also einen „neuen Kurs“ – erfolgreich in Gang zu bringen, ist es daher von essenzieller Bedeutung, die Kultur zu verstehen.